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Armut:   ÖSTERARM  statt  ÖSTERREICH                             230.000 Österreichern reicht der Lohn nicht zum Leben 

Wien - In Österreich leben nach wie vor etwa eine Million Menschen in Haushalten mit Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze.

Dies geht aus dem am Montag, den 19.01.2009 veröffentlichten zweiten Armuts- und Reichtumsbericht der Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung hervor. Steigend ist die Zahl jener Menschen, die trotz eines Jobs armutsgefährdet sind, die sogenannten "working poor": Sie beträgt rund 230.000 (plus zwölf Prozent gegenüber 2003).

Die Armutsgefährdungsquote liegt seit Jahren konstant hoch zwischen zwölf und 13 Prozent, erklärte Politikberater Andreas Höferl bei einer Pressekonferenz in Wien. Armut betrifft vor allem Arbeitslose, kinderreiche Familien, Alleinerzieher und Migranten. Eine Ursache für Armutsgefährdung ist auch der Anstieg atypischer Beschäftigung.

Nur noch 57 Prozent der Beschäftigten sind ganzjährig in Vollzeitbeschäftigung. Ebenfalls erheblich seien die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen.

Während rund eine Million Österreicher mit einem monatlichen Einkommen von 893 Euro auskommen muss, nahm gleichzeitig aber auch der Reichtum zu. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter, so Höferl. Das Geldvermögen wurde in den letzten zehn Jahren auf fast 2,155 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

Davon haben jedoch nur die wenigsten etwas, denn während kleine Einkommen mit neun Prozent nur schwach gestiegen sind, wuchsen sie im obersten Einkommensdrittel um über 40 Prozent. Die Zahl der Reichen und Super-Reichen nahm zu, 70.000 Dollar-Millionäre (plus 17 Prozent gegenüber 2003) gibt es in Österreich.

Einen "maßgeblichen Einfluss" auf die Entwicklung von Armut und Reichtum hat die Steuerpolitik. Im internationalen Vergleich zeige sich, dass Österreich kein "Hochsteuerland" ist. Bei der Vermögensbesteuerung weise es laut Höferl sogar die mit Abstand geringste auf. Dies kritisierte auch Sozialwissenschafter Emmerich Talos, der von einer "Schieflage" im Steueraufkommen sprach: "Menschen mit weniger Einkommen, zahlen die Umverteilung."

Zur Bekämpfung der Armut wären laut Talos neben Maßnahmen in der Steuerpolitik auch mehr Mittel für den Arbeitsmarkt sowie die Einführung von Mindeststandards notwendig. Die bedarfsorientierte Mindestsicherung wäre "unumgänglich". Die Politik hätte aber auch für eine "Verwirklichungschance" - durch Bildung, soziale und öffentliche Dienstleistungen - zu sorgen, so Höferl.

In Wien sei die Zahl der Sozialhilfeempfänger, die ausschließlich von der Sozialhilfe leben, seit Jahren eine konstante Größe, erklärte Stadtrat Rudolf Schicker (S). Eine Steigerung werde aber ebenfalls bei jenen verzeichnet, die einem Job nachgehen, damit aber kein Auskommen finden. Im Budget 2009 sind für den Sozialbereich 1,6 Milliarden Euro vorgesehen, das seien zehn Prozent des Gesamtbudgets, so Schicker. (APA) 

 

 Armut in Österreich

Wie genau "arm" oder "armutsgefährdet" definiert wird, wird nach international einheitlichen Kriterien festgelegt.

Aus dem aktuellen Bericht der Armutskonferenz:

"Die wichtigste Datengrundlage der Armutsberichterstattung ist die jährlich durchgeführte Erhebung „Einkommen, Armut und Lebensbedingungen“, besser bekannt als EU-SILC. Nach einer europaweit einheitlichen Definition aus 1984 werden Menschen dann als arm eingestuft, wenn sie „über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist“

Dieses finanzielle Minimum wird bei 60 Prozent des Medianeinkommens festgelegt. Um die tatsächlichen Lebensumstände der Menschen darzustellen, wird dazu nicht das Einkommen jedes einzelnen herangezogen, sondern es findet eine Beurteilung nach Haushalten statt. Denn je nachdem, wie viele Personen mit dem erwirtschafteten Geld auskommen müssen, ist die Situation der Gesamthaushalte unterschiedlich zu bewerten."

In Österreich liegt die Armutsgefährdungsschwelle für einen Single-Haushalt bei 765 Euro netto, berechnet für 14 Monatsgehälter aufs Jahr verteilt, bzw 893 Euro netto gemessen pro Monat. Bei einer Familie mit zwei Erwachsenen und einem Kind liegen die Werte analog bei 1.377 beziehungsweise 1.607 Euro. (red, derStandard.at, 19.1.2009)

 

 

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